Medienberichte
zur Schweizer Meisterschaft
in Lugano

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Sonntag, 9. Januar 2000




Sportliche Verliererin: Kimena Brog Meier gratuliert Sarah Meier.


Fürsprache für die Verliererin

Die Schweizer Eiskunstlauf-Meisterschaften endeten mit einem Misston, denn Kimena Brog Meier fühlte sich betrogen

VON DIETER RINGHOFER

LUGANO . "Wievielte bin ich?", fragte Sarah Meier (15). Als sie hörte, dass sie gewonnen habe, fiel sie ihrer Trainerin Evi Fehr, die zu den Zeiten von Denise Biellmann unter ihrem Mädchennamen Ruf selbst eine Schweizer Spitzen-Eiskunstläuferin war, glücklich und fast ein wenig ungläubig um den Hals. Die Favoritin war zum ersten Mal Schweizer Meisterin geworden.

Neben ihr brach für Kimena Brog Meier (12) eine Welt zusammen. "Nach der Kür von Sarah dachte ich, ich hätte gewonnen", sagte die Luzernerin, unterdrückte die Tränen und gratulierte der Konkurrentin tapfer.

Währenddessen wurde nicht nur im Umfeld von Brog Meier von einer sportlich falschen Entscheidung gesprochen. Selbst Roland Wehinger, der Präsident des Schweizerischen Eislauf-Verbandes (SEV), trat vor die Medien und liess diese wissen, dass er den äusserst knappen Entscheid des neunköpfigen Preisgerichts missbillige. "Die Leistung von Kimena war heute eindeutig besser. International erfahrene Preisrichter teilen diese Meinung mit mir. Ich begreife Kimenas Vater, wenn er wütend ist. Dieses Urteil wird Konsequenzen haben. Wir werden die Zusammenstellung des Preisgerichts nicht mehr der TK überlassen", sagte Wehinger, selbst ein internationaler Eistanz-Preisrichter, und desavouierte damit TK-Präsidentin Christina Lüssi, die an der 5:4-Entscheidung zu Gunsten von Sarah Meier beteiligt war.

Die WM-Preisrichter Peter Moser und Jacqueline Itschner hatten Kimena Brog Meier als Siegerin gesehen. Fest steht nach den Worten von Wehinger, dass es im SEV nach diesen Schweizer Meisterschaften zu heftigen Diskussionen kommen wird, denn gefällt wurde ein sportpolitischer Entscheid. Die Mehrheit des Preisgerichts sagte sich wohl, dass es für Sarah Meier schlecht wäre, würde sie nicht als Schweizer Meisterin an die EM nach Wien delegiert. Die von der Technischen Kommission in die Eliteklasse promovierte Kimena Brog Meier kann wegen ihres Alters noch nicht für internationale Meisterschaften selektioniert werden. Von der Internationalen Eislauf-Union (ISU) wird ein Mindestalter von 14 Jahren gefordert.

"Wo bleibt denn die Sportlichkeit?", fragte sich da die Mutter Ingrid Brog. "Kann denn niemand nachvollziehen, was nach einem derartigen Entscheid in den Mädchen vorgeht?"

Eine Kür wie noch nie an einer Schweizer Meisterschaft

"Ich hätte auch einen zweiten Platz akzeptiert", sagte Sarah Meier. Im Kurzprogramm hatte sie nur den dritten Platz belegt, in der Kür war ihr auch nicht alles so gelungen, wie sie es sich vorgestellt hatte. Zwar stand sie fünf Dreifache, doch Flip und Rittberger befanden sich nicht darunter. Die Favoritenrolle, in der sich die zierliche Bülacherin zum ersten Mal befand, belastete sie doch. "Technisch ist Kimena im Moment besser, Sarah konnte nur über die Präsentation des Programms gewinnen", war auch Evi Ruf klar. Das sahen sechs Preisrichter ebenso. Fünf setzten Sarah Meier in der Gesamtheit von A- und B-Note auf den ersten Platz.

Kimena Brog Meier war zuvor eine Kür gelaufen, wie sie an Schweizer Meisterschaften bisher noch nie zu sehen gewesen ist. Sie zeigte wie im Kurzprogramm eine Sprungkombination Dreifachtoeloop/Dreifachtoeloop, stand insgesamt sechs Dreifachsprünge und versuchte sich zum dritten Mal am dreifachen Axel, den vor ihr erst zwei Läuferinnen in einem Wettkampf standen. Die höchsten Noten für den technischen Wert der Kür gaben ihr indes zwei Preisrichterinnen dennoch nicht.

Die Kontroverse um die Entscheidung verdeckte die Tatsache, dass der Schweizer Eiskunstlauf bei den Frauen wieder besseren Zeiten entgegensieht, vielleicht gar goldenen. Sarah Meier, Zehnte der Junioren-WM 1999, und Kimena Brog Meier besitzen ein grosses Potenzial. Es wäre jammerschade, wenn sie gegeneinander ausgespielt würden.


Es wurde gesprungen wie noch nie zuvor
Aufsteigende Tendenz im Schweizer Eiskunstlauf

LUGANO – Patrick Meier zum siebenten Mal, die Eistänzer Eliane und Daniel Hugentobler zum dritten Mal und Sarah Meier zum ersten Mal: Die Schweizer Eiskunstlaufmeisterschaften endeten mit Siegen der Favoriten. Allerdings war die Entscheidung bei den Frauen zu Ungunsten der zwölfjährigen Kimena Brog Meier umstritten und führte zu Auseinandersetzungen auf höchster Verbandsebene. Die Kontroverse um den Ausgang der Frauenkür verdeckte die Tatsache, dass im Schweizer Eiskunstlauf eine aufsteigende Tendenz zu erkennen ist. Es waren die bisher technisch hochstehendsten Titelkämpfe. Meier und die solo startendenden Hugentobler/Hugentobler erhielten für ihre Kürvorträge Noten bis 5,8.

Patrick Meier (23) stand zum ersten Mal in einer Kür zwei dreifache Axel, davon einmal kombiniert mit einem zweifachen Toeloop. "Eine Dreifach-Sprungkombination mit dem Axel ist der nächste Schritt", kündigte der Winterthurer an. Möglich, dass ihm dies bis zu den Europameisterschaften in vier Wochen in Wien gelingt. Dort hat Meier einen zehnten Platz zu verteidigen. Eine geplante Sprungkombination Dreifachflip/Dreifachtoeloop gelang ihm in Lugano nicht. Insgesamt stand Meier, der dieselbe Kür läuft wie im vergangenen Winter, fünf Dreifachsprünge. An die EM wird er von dem aus der Dominikanischen Republik gebürtigen Bündner Oscar Peter (18) begleitet, der fünf Dreifachsprünge beherrscht.

Sarah Meier für die EM und die Junioren-WM selektioniert

Während Patrick Meier und die Eistänzer Eliane und Daniel Hugentobler vom SEV-Zentralvorstand für EM und WM selektioniert wurden, wird bei den Frauen die 15-jährige Sarah Meier an die EM und die 22-jährige Nicole Skoda an die WM delegiert. Die Winterthurerin war acht Jahre nach dem Gewinn ihres einzigen Schweizer-Meister-Titels die Überraschung der Titelkämpfe, auch wenn sie in der Kür vom zweiten auf den dritten Platz zurückfiel. Die Jusstudentin hat bisher noch keine internationale Meisterschaft bestritten. Sie profitiert vom Umstand einer möglicherweise schweren Rückenverletzung der letztjährigen WM-Dreizehnten Lucinda Ruh, der prominentesten Abwesenden der diesjährigen Schweizer Meisterschaften.

Sarah Meier wird im März an den Juniorenweltmeisterschaften in Oberstdorf an den Start gehen. Diese figurierten auch in ihren ursprünglichen Plänen. Der SEV rechnet sich mit ihr eine Spitzenklassierung aus, die ihm für den kommenden Winter wieder mindestens zwei Startplätze sichert. Dann wird auch Kimena Brog Meier so alt sein, um wie Juniorenmeister Jamal Othman erstmals an den Junioren-Weltmeisterschaften teilnehmen zu können.

Dieter Ringhofer

Lugano –Schweizer Eiskunstlaufmeisterschaften. Schlussklassemente. Elite (Mindestalter 14 Jahre). Frauen: 1. Meier (Bülach) 2,5 (3. Kurzprogramm/1. Kür). 2. Brog Meier (Luzern) 2,5 (1./2.). 3. Skoda (Illnau-Effretikon) 4,0 (2./3.). 4. Djoungong (Genf) 7,5. 5. Schmid (Wallisellen) 8,0. 6. Adank (Bern) 9,0. 7. Walthard (Zürich-Oerlikon) 10,5. 8. Baumann (Küsnacht) 11,5. - Männer: 1. Meier (Winterthur) 1,5 (1./1.). 2. Peter (Arosa) 3,0 (2./2.). - Tanz (solo): 1. Eliane und Daniel Hugentobler (Frauenfeld). - Junioren (13 bis 19 Jahre). Frauen. 1. Blazek (Lugano) 1,5. 2. Rast (Illnau-Effretikon) 4,0. 3. Bernhard (Bülach) 4,5. - Männer: 1. Othman (Bern) 1,5. 2. Bohren (Genf) 3,0. 3. Kilchenmann (Thun) 4,5. - Tanz (solo): 1. Daniela und Fabian Keller (Mittelrheintal).

EM-Aufgebot (Wien 7. bis 13. Februar). Frauen: Meier, Ersatz Skoda. - Männer: Meier und Peter. - Tanz: Eliane und Daniel Hugentobler.

Junioren-WM-Aufgebot (Oberstdorf 6. bis 12. März). Frauen: Meier und Blazek, Ersatz Rast und Djoungong. - Männer: Lambiel (Genf, vorbehältlich Leistungsbestätigung), Ersatz Peter. - Tanz: Daniela und Fabian Keller.

WM-Aufgebot (Nizza 27. März bis 2. April). Frauen: Skoda, Ersatz noch nicht bestimmt. - Männer: Meier, Ersatz Peter. - Tanz: Eliane und Daniel Hugentobler.


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Last Up-date: 28.02.2001